Syphilis (auch Lues) ist eine chronisch verlaufende sexuell übertragbare Infektion (STI), ausgelöst durch das schraubenförmige Bakterium Treponema pallidum. Es dringt über kleinste Läsionen der Schleimhaut oder Haut ein. Ohne Behandlung schreitet die Erkrankung über klar abgegrenzte Stadien fort und kann Jahre später schwere Organschäden hervorrufen. Dank moderner Diagnostik und antibiotischer Therapie ist Syphilis heute gut behandelbar, zeigt aber in vielen Industrieländern wieder steigende Fallzahlen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) und WHO nimmt die Inzidenz insbesondere bei MSM (Männern, die Sex mit Männern haben) sowie Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern zu.
Historischer Hintergrund
Syphilis wurde in Europa erstmals Ende des 15. Jahrhunderts dokumentiert und war vor der Einführung von Penicillin eine der verheerendsten Infektionen. Die Spätstadien führten zu neurologischen Ausfällen, Persönlichkeitsveränderungen und Herzschäden. Die Entdeckung von Penicillin im 20. Jahrhundert reduzierte die schweren Verläufe drastisch, allerdings begünstigen veränderte Sexualverhaltenstrends und teils nachlassende Testbereitschaft ein erneutes Aufflammen.
Der Erreger
Treponema pallidum ist ein sehr fragiles Bakterium, das außerhalb des menschlichen Körpers rasch abstirbt. Daher erfolgt die Übertragung fast ausschließlich durch direkten, meist sexuellen Kontakt (genital, oral, anal). Selten kann sie durch Blut oder in der Schwangerschaft (plazentare Übertragung auf den Fetus) erfolgen.
Stadienübersicht
- Primärstadium: Schmerzloses Geschwür (Schanker) an der Eintrittsstelle.
- Sekundärstadium: Systemische Ausbreitung: Hautausschläge, Schleimhautveränderungen, Allgemeinsymptome.
- Latenz: Symptomfreie Phase – Bakterien persistieren.
- Tertiärstadium: Spätmanifestationen (Herz, Nervensystem, granulomatöse Läsionen).
Frühe Diagnose und Therapie stoppen den Fortschritt effektiv und verhindern Spätfolgen.



