Atherosklerose ist eine der wichtigsten und zugleich am meisten unterschätzten Erkrankungen unserer Zeit. Sie entwickelt sich über Jahre und Jahrzehnte hinweg völlig unbemerkt, verursacht keine Schmerzen und zeigt oft erst dann Symptome, wenn bereits ein erheblicher Schaden entstanden ist – im schlimmsten Fall in Form eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Diese schleichende Verkalkung und Verengung der Arterien ist die Hauptursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit die häufigste Todesursache darstellen. Dabei ist Atherosklerose in vielen Fällen vermeidbar oder zumindest verzögerbar.
Was bei Atherosklerose passiert
Der Begriff Atherosklerose setzt sich zusammen aus dem griechischen ‚athero' für Brei und ‚sklerosis' für Verhärtung – eine treffende Beschreibung des Krankheitsprozesses. In den Wänden der Arterien bilden sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, die aus Fetten, Cholesterin, Kalzium und anderen Substanzen bestehen. Diese Plaques wachsen mit der Zeit und verengen das Gefäßlumen, sodass weniger Blut hindurchfließen kann. Noch gefährlicher ist jedoch das Risiko, dass eine Plaque aufbricht. Dann bildet sich an dieser Stelle ein Blutgerinnsel, das die Arterie plötzlich vollständig verschließen kann. Passiert dies in einer Herzkranzarterie, ist ein Herzinfarkt die Folge. Geschieht es in einer hirnversorgenden Arterie, kommt es zum Schlaganfall. In den Beinarterien führt es zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, im Volksmund Schaufensterkrankheit genannt.
Mehr als nur ‚Verkalkung'
Lange Zeit wurde Atherosklerose vereinfacht als Verkalkung oder Verstopfung der Arterien durch zu viel Fett im Blut betrachtet. Heute wissen wir, dass es sich um einen komplexen entzündlichen Prozess handelt. Die Entstehung beginnt typischerweise mit einer Schädigung der innersten Gefäßschicht, des Endothels. Diese kann durch Bluthochdruck, Rauchen, erhöhte Blutzuckerwerte oder andere Faktoren verursacht werden. Durch das geschädigte Endothel können LDL-Cholesterin-Partikel in die Gefäßwand eindringen. Dort werden sie oxidiert und lösen eine Entzündungsreaktion aus. Immunzellen wandern ein und versuchen, das oxidierte LDL aufzunehmen, werden dabei aber selbst zu sogenannten Schaumzellen, die in der Gefäßwand verbleiben. Dieser Prozess setzt sich fort, die Plaques wachsen, und mit der Zeit lagert sich Kalzium ein, was zur Verhärtung führt. Dieser Ratgeber erklärt, wie du dein persönliches Atheroskleroserisiko einschätzen, moderne Risikomarker wie ApoB und Lp(a) verstehen und durch gezielte Maßnahmen deine Gefäßgesundheit schützen kannst.



